Dürre Ostafrika

Dürre in Ostafrika – unser Engagement in Somaliland

Wasser für Somaliland – der Dürre entgegenwirken

Dürren am Horn von Afrika gibt es immer wieder und es steht nicht in unserer Macht, daran etwas zu ändern. Ändern lassen sich aber die Faktoren, die aus einer Naturgegebenheit immer wieder eine humanitäre Katastrophe werden lassen. Aus dieser Grundüberzeugung haben wir zusammen mit Dorfgemeinschaften spezielle Strategien und Projekte entwickelt:

World Relief Deutschland konzentriert sich dabei auf Somaliland, das an der Grenze zu Äthiopien liegt und offiziell immer noch zu Somalia gehört. Wir sind in der ländlichen Region Marroodi Jeeh und benachbarten Distrikten südlich von der Hauptstadt Hargeisa tätig.

Ca 60 % der Bewohner sind Nomaden, ihre Tiere – Schafe, Ziegen und Kamele – sind ihr einziger Besitz und Lebensunterhalt. Wenn der Regen ausbleibt, bleiben die Felder trocken und dürr, es wächst kaum etwas, die Tiere kriegen zu wenig Futter und wenn schließlich die Tiere sterben, sind auch die Menschen existenziell bedroht.

In weiten Teilen Ostafrikas sind die letzten vier Regenzeiten praktisch ausgefallen und der Wassermangel wird immer schlimmer. Die Region ist traditionell sowieso dürr und wasserarm, aber die Dauer und Intensität der letzten Dürreperioden war ungewöhnlich heftig und wird auch als Anzeichen langfristiger Klimaveränderungen gedeutet.  Armut und Arbeitslosigkeit sind in Somaliland weit verbreitet, für die Mehrheit der Bevölkerung ist die ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln ein täglicher Kampf.

AKTUELL:  Im April und Mai 2018  hat es endlich wieder geregnet,  all die Vorsorgemaßnahmen gegen die Dürre in Ostafrika über die Nothilfe hinaus bewähren sich jetzt, die Brunnen sind voll, durch Erdwälle wurde das schnelle Abfließen des Regens verhindert, viel Weideland ist wieder grün und die Hoffnung ist groß, dass die Trockenzeit bis zum Herbst gut überstanden werden kann!

Kurzfristige Nothilfe und Versorgung mit Wasser in Zeiten akuter Dürre

Fällt lange kein Regen und sind alle Wasserspeicher schon lange leer, dann geht es um Nothilfe, die Verteilung von Wasser, Versorgung mit Nahrungsmittel und Rettung der Tiere, die bis dahin überlebt haben.
Dass ist die aktuelle Situation: Viele Nomaden mussten aufgeben und Zuflucht in Lagern suchen, wo sie und ihre Kinder zumindest mit dem nötigsten versorgt werden, u.a. auch durch World Relief Deutschland. Ihren Lebensunterhalt, ihre Herden, haben sie verloren, ihre Zukunft ist ungewiss, ihren nomadischen Lebensstil werden sie kaum weiterführen können.

Um langfristige Perspektiven zu erreichen, hat World Relief Deutschland in Zusammenarbeit mit Dorfgemeinschaften drei strategische Ansätze entwickelt, die miteinander eng verwoben sind:

Umwelt/Enviroment

Die Sicherung des Lebensunterhalts kann langfristig nur bestehen, wenn sie nicht gegen, sondern im Einklang mit der Natur geschieht. Hier spielen Training und Ausbildung eine große Rolle, z. B. über die schädlichen Konsequenzen der Abholzung zur Holzkohleproduktion aufzuklären und die vor Ort vorhandenen Potenziale zu entwickeln. Konkrete Projekte sind:

  • Wiederherstellung von Brachland zu Weideland und Verbesserung der Qualität des Weidelands, umgesetzt durch Cash for Work (CfW: Geld für Arbeit) Projekte, die als gewollten Nebeneffekt während der Dürre zum Familieneinkommen beitragen und so das Überleben in der Heimat ermöglichen.
  • Ermutigung zu mehr Viehzucht, schnellerem Verkauf und kleineren Herden, um flexibler reagieren zu können und das vorhandene Weideland nicht auszulaugen.
  • Optimalere Nutzung und Speicherung des Regens, wenn er fällt. Dazu gehört die Wiederherstellung von schon bestehenden, aber beschädigten Brunnen und Zisternen (Link) und die Errichtung von Erdwällen auf den Feldern, die das schnelle Abfließen von Regen verhindern. Beides setzen wir z.T. auch durch CfW um.

Als internationale Organisation engagieren wir uns in verschiedenenen Netzwerken und Advocacygruppen wie Micha oder EU-CORD, damit auch auf globaler Ebene die Ursachen bekämpft werden, die zum Klimawandel beitragen und die das Leben der Menschen in Ostafrika existenziell bedrohen.

Ökonomie

World Relief Deutschland setzt sich dafür ein, dass Menschen für sich zusätzliche Einkommensquellen erschließen können:

• Werbung und Unterstützung beim Anbau und der Lagerung von Futtermitteln, die in Dürrezeiten das Überleben der Herden sichern.

• Kurse über den effektiven Anbau von Pflanzen, Grundlagen von Handel und Vertrieb und andere Möglichkeiten, zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften.

• Aufklärung über die schädlichen Auswirkungen des Khat-Konsums ( Z. B. wird zur Finanzierung illegal Holzkohle hergestellt, dazu werden Bäume  gerodet, weitverbreitet in der ganzen Region und auch mit eine Ursache für die Trockenheit und Dürre in Ostafrika)

• Unterstützung bei der Bildung von Selbsthilfegruppen für Frauen, Alphabetisierungskurse und Förderung, die zur Gründung von Kleinunternehmen ermutigen.

Vernetzung und Koordination

Ein wesentlicher Faktor ist die Entwicklung von „Ownership“, dass die treibende Kraft hinter den Projekten nicht wir sind, sondern die Menschen sie als ihre eigenen sehen. Dies trägt dazu bei, dass sie aus der Ohnmacht und Abhängigkeit finden und ihr Potential der Gestaltung und Veränderung entdecken.
Insbesondere die Frauen werden noch viel zu wenig in die Entscheidungsfindung eingebunden, weder in ihrem direkten Umfeld noch auf gesellschaftlicher und politischer Ebene.

  • Vernetzung und Ausbildung von Frauen, siehe auch die Unterstützung von Selbsthilfegruppen
  • Zusammenarbeit innerhalb der Dorfgemeinschaft, Entwicklung von Vorsorgeplänen und Unterstützungsstrukturen vor und in zukünftigen Dürrezeiten und Katastrophen.
  • Vernetzung und Vorsorge auf regionaler und nationaler Ebene.
  • Aufbau von Bauerngruppen, in denen voneinander gelernt wird und erfolgreiche Ideen multipliziert werden

Umsetzung von CfW-Projekten, die zum Lebensunterhalt beitragen und gleichzeitig wichtige Gemeinschaftsprojekte voranbringen, die der das ganze Dorf profitiert.

Mohamed Abdirahman, selbst Somali und leitender Mitarbeiter vor Ort, hat es auf den Punkt gebracht:

Dürren sind Naturereignisse – Hunger ist von Menschen geschaffen

Dürre in Ostafrika und Sie können mithelfen

Somaliland ist ein praktisch unabhängiger, international aber nicht anerkannter Staat in Ostafrika, der den Nordteil Somalias umfasst. Der Name Somaliland ist vom Volk der Somali abgeleitet, dem die meisten der schätzungsweise bis zu 3,5 Millionen Einwohner angehören.
Am 18. Mai 1991 erklärte es sich einseitig für unabhängig, als die somalische Regierung gestürzt worden war und der Bürgerkrieg in Somalia eskalierte. Seither hat es seine politische Stabilität weitgehend gewahrt und Schritte zur Demokratisierung unternommen. Hauptstadt ist Hargeysa, Präsident ist Muse Bihi Abdi, der die Wahlen im November 2017 gewonnen hat.

Mehr Informationen: Somaliland

Dürre in Ostafrika und World Relief Deutschland hilft

AKTUELLES AUS UNSEREM BLOG

Unser Mitarbeiter Mohamed war bei der Fortbildung des WASH Netzwerks im Libanon dabei
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