Vergebung und Versöhnung für Ruanda

Von außen wird Ruanda immer noch fast ausschließlich mit dem Völkermord im Jahre 1994 verbunden. In ungefähr 100 Tagen wurden fast eine Millionen Ruander von ihren eigenen Landsleuten ermordet.

Seitdem arbeitet das Land hart und erfolgreich daran, seine Vergangenheit zu bewältigen und wieder Stabilität zu erlangen. Neben sozioökonomischen Reformen galt es, die Privatwirtschaft und internationale Investitionen zu fördern, während die Infrastruktur zum größten Teil wieder neu aufgebaut werden musste. Ziel ist es, die Wirtschaft von der eigenbedarfsorientieren Landwirtschaft (bisher 90%) auf verschiedene ökonomische Standbeine zu stellen. Der Anteil der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben ist um 5,8% von 44,9% 2011 auf 39,1% bis 2015 gesunken.

Seit 1994 unterstütze World Relief die Menschen in diesen Veränderungsprozessen. Ein Programm richtet sich zugleich gegen Armut und unterstützt Versöhnung. Kühe für Frieden“ leistet einen wichtigen Beitrag Versöhnung, Vertrauen und Hoffnung in der ruandischen Gesellschaft wieder herzustellen. Ein überlebendes Genozidopfer und ein ehemaliger Strafgefangener, der an dem Genozid beteiligt war, erhalten zusammen eine Milchkuh zur Pflege.

Zunächst nehmen alle Teilnehmer an einem dreitägigen Workshop zur Aufarbeitung von Traumata und zur Versöhnung teil. Anschließend wird der Prozess zur Wiederherstellung der Beziehungen in Kleingruppen zu je 20 Personen in regelmäßigen Treffen weitergeführt. Mitarbeiter von CARSA (unserer ruandischen Partnerorganisation) unterstützen die Teilnehmer bei Bedarf durch kontinuierliche psycho-soziale Betreuung. Nach einer Schulung zur korrekten Pflege und Haltung von Milchkühen errichten Paare aus Genozidopfer und Mittäter jeweils gemeinsam einen Kuhstall und erhalten dann eine Milchkuh zur gemeinsamen Tierzucht. Diese stellt eine Quelle für Milch, Dünger, Biomasse und (nach der Fortpflanzung) Fleisch dar und stärkt somit das Einkommen der Begünstigten und gibt Hoffnung für die Zukunft. Zudem ist die Viehhaltung in der ruandischen Gesellschaft als Statussymbol von kultureller Bedeutung und trägt zur Wiederherstellung des Selbstwertgefühls der Menschen. Das Projekt folgt der Annahme, dass Armut eine der größten Hürden für Versöhnung ist und somit beide Themen gemeinsam angesprochen werden müssen.

Ziel des Projekts ist es, allen Teilnehmern die Erfahrung zu ermöglichen, durch vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ehemaligen Opponenten die eigene und gesamt­gesellschaftliche Lage verbessert zu haben, um nachhaltig Grundhaltungen, Einstellungen und Handlungsmuster zu verändern und dadurch die Einheit und Wiederherstellung der ruandischen Gesellschaft zu fördern.