Vergebung und Versöhnung für Ruanda

Von außen wird Ruanda immer noch fast ausschließlich mit dem Völkermord im Jahre 1994 verbunden. In ungefähr 100 Tagen wurden fast Millionen Ruander von ihren eigenen Landsleuten ermordet.

Während Ruanda versucht seine Vergangenheit zu bewältigen und wieder Stabilität erlangt hat, ist die wirtschaftliche Situation sehr schwierig. 65% leben heute unterhalb der Armutsgrenze. 1985 waren es nur 45%. Der Konflikt hat die Infrastruktur und die Arbeitskraft des Landes stark beeinträchtigt. Neben den Herausforderungen des Wiederaufbaus und des Versöhnungsprozesses kämpft Ruanda mit langanhaltender Armut und großen Herausforderungen im Gesundheitsbereich.

Als eines der am dichtesten besiedelten Länder Afrikas hat es eine hohe Bevölkerungswachstumsrate von 2,9 % jährlich was den für die Landwirtschaft nutzbaren Raum sehr einschränkt.  Ungefähr 92% der arbeitenden Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Viele von ihnen erwirtschaften nur die für ihre Familie notwendigen Lebensmittel. Das Pro-Kopf-Jahreseinkommen beträgt ungefähr 200, – € und es existieren große wirtschaftliche und soziale Unterschiede zwischen den Städten und dem ländlichen Raum. 68% der ländlichen Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, jedoch nur 28% der städtischen Bevölkerung sind von einer solchen Armut betroffen.Seit 1994 bringt World Relief Hoffnung und Veränderung nach Ruanda.

Kühe für den Frieden

Kühe für Frieden“ leistet einen wichtigen Beitrag Versöhnung, Vertrauen und Hoffnung in der ruandischen Gesellschaft wieder herzustellen. Ein überlebendes Genozidopfer und ein ehemaliger Strafgefangener, der an dem Genozid beteiligt war, erhalten zusammen eine Milchkuh zur Pflege.

Zunächst nehmen alle Teilnehmer an einem dreitägigen Workshop zur Aufarbeitung von Traumata und zur Versöhnung teil. Anschließend wird der Prozess zur Wiederherstellung der Beziehungen in Kleingruppen zu je 20 Personen in regelmäßigen Treffen weitergeführt. Mitarbeiter von CARSA ( unserer ruandischen Partnerorganisation) unterstützen die Teilnehmer bei Bedarf durch kontinuierliche psycho-soziale Betreuung. Nach einer Schulung zur korrekten Pflege und Haltung von Milchkühen errichten Paare aus Genozidopfer und Mittäter jeweils gemeinsam einen Kuhstall und erhalten dann eine Milchkuh zur gemeinsamen Tierzucht. Diese stellt eine Quelle für Milch, Dünger, Biomasse und (nach der Fortpflanzung) Fleisch dar und stärkt somit das Einkommen der Begünstigten und gibt Hoffnung für die Zukunft. Zudem ist die Viehhaltung in der ruandischen Gesellschaft als Statussymbol von kultureller Bedeutung und trägt zur Wiederherstellung des Selbstwertgefühls der Menschen. Das Projekt folgt der Annahme, dass Armut eine der größten Hürden für Versöhnung ist und somit beide Themen gemeinsam angesprochen werden müssen.

Ziel des Projekts ist es, allen Teilnehmern die Erfahrung zu ermöglichen, durch vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ehemaligen Opponenten die eigene und gesamt­gesellschaftliche Lage verbessert zu haben, um nachhaltig Grundhaltungen, Einstellungen und Handlungsmuster zu verändern und dadurch die Einheit und Wiederherstellung der ruandischen Gesellschaft zu fördern.

World Relief Deutschland / PartnerAid arbeitet in verschiedenen Ländern, deren Kontexte meist durch vergangene oder aktuelle Konflikte geprägt sind, etwa in Somalia, Jemen, Pakistan oder Kirgistan. Friedens- und Versöhnungsprojekte wurden bisher vor allem im Sudan und in Pakistan (lokale Fußballliga zur Friedensförderung) sowie in Indonesien („Peace Generation“) durchgeführt und unterstützt. Das Motto „gemeinsam verändern“ setzt World Relief Deutschland / PartnerAid um, indem Hilfe durch Partnerschaft geleistet wird. In der lokalen ruandischen Organisation CARSA wurde ein starker und im Landeskontext erfahrener Partner gefunden, der mit World Relief Deutschland / PartnerAid’s Expertise aus der Arbeit in anderen Ländern unterstützt wird.